Trauerarbeit im Islam – neue Aufgaben für Pflegekräfte

Oft stellen wir schon im Alltag fest, dass sich Religionen in ihren Ansichten stark unterscheiden können. Gebräuche, Gebete und Rituale sind oft sehr unterschiedlich. Für Pflegekräfte, die totkranke Menschen in der letzten Phase ihres Lebens begleiten, stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Fehlendes Verständnis oder fehlendes Wissen für die Gebräuche und Regeln in anderen Kulturen erzeugen meist unabsichtlich Konflikte. Häufig handeln Pflegekräfte aus dem Verständnis der eigenen Werte und können so die Gebräuche anderer Religionen nur schwer nachvollziehen.

Der Übergang in eine andere Daseinsform

Ein gemeinsamer Ansatz aller Religionen dieser Welt ist, dass der Tod nicht als das Ende der Existenz gesehen wird, sondern als Übergang in eine andere Daseinsform. Daher schöpfen Menschen gerade an ihrem Lebensende aus ihrem Glauben Kraft. Es hilft vielen, das Sterben zu akzeptieren und mit der Angst vor dem Tod besser umzugehen. Hier enden dann auch schon die Gemeinsamkeiten. Ob Buddhismus, Chinesische Kulturen, Hinduismus, Mormonen, oder Judentum, alle Religionen haben ihre ganz eigenen Vorstellungen zum Übergang in die andere Daseinsform und den damit verbunden Bräuchen. Ein Beispiel, das wir Ihnen hier vorstellen möchten, damit Sie die Unterschiede besser nachvollziehen können, ist der Umgang mit dem Tod im Islam.

In welcher Richtung liegt Mekka? Wissen Sie das?

Der schwerstkranke und sterbende Muslim soll die Sura Fatiha beten, mit erhöhtem Oberkörper und nach Mekka gerichtetem Gesicht gelagert werden. Wissen Sie in welche Richtung Sie sich wenden müssen, um nach Mekka zu schauen? Hier können Ihnen Angehörige des Sterbenden helfen. Denn für praktizierende Muslime ist dies eine sehr einfache Frage. Nach dem Tod des Muslims sollen seine Angehörigen in einer lauten und klagenreichen Trauer ihren Verlust öffentlich zeigen. Im Unterschied zur eher intimen und stillen Trauerkultur des Christentums sind diese „Szenen“, die auf uns eher etwas unbeherrscht oder theatralisch wirken, völlig normaler Bestandteil der Trauerarbeit im Islam.

Sterbende anderer Glaubensrichtungen besser begleiten

Nichtmuslime sollten den Verstorbenen nur mit Handschuhen berühren. Hält man sich auch aus Unwissen nicht an diese Grundregel, hat man manchmal mit Zorn der Angehörigen zu rechnen, da dies als Respektlosigkeit interpretiert werden könnte. Genauso wie der Grundsatz, dass die Versorgung Verstorbener immer nur von Pflegenden des gleichen Geschlechts erfolgen darf. Alle Körperteile haben mit einem weißem Baumwolllaken (arabisch: kafan) bedeckt zu sein. Oft wird der Verstorbene für eine rituelle Waschung baldmöglichst in eine Moschee gebracht. Auf Waschungen durch Pflegekräfte wird daher auch meist ablehnend reagiert. Muslime werden nur im Kafan beerdigt. Da aber in Deutschland auf allen Friedhöfen Sargpflicht besteht, ist eine muslimische Beerdigung nur auf dafür vorgesehenen, muslimischen Friedhöfen möglich. Feuerbestattung ist den Muslimen nicht erlaubt.

Sie sehen, dass allein zwischen dem Islam und dem Christentum große Unterschiede in der Trauerpraxis bestehen. Gerade weil in der Palliativpflege ein Verständnis zu den Unterschieden der einzelnen Religionen dabei hilft, Sterbende anderer Glaubensrichtungen besser zu begleiten, gehen wir bei indisoft hierauf bei unserer Qualifizierung zur Fachkraft für Palliativ-Pflege besonders ein.

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