Märchen als Behandlungsmethode

Geschichten haben einen festen Platz in allen Kulturen. Ob mündlich weitergegeben, in Bildern festgehalten, aufgeschrieben oder anderweitig überliefert, Geschichten, Märchen, oder Erzählungen sind viel mehr als Unterhaltung. Sie wirken gemeinschaftsstiftend, erzeugen kulturelle Identität, geben Halt und fungieren als Elemente des gesellschaftlichen Miteinanders. Märchen haben nichts von ihrer Faszination verloren, haben sich im Laufe der Jahrhunderte von eher schauerlichen Geschichten gewandelt hin zu popkulturellen Phänomenen, wurden vielfach verfilmt und liefern noch heute Grundlage für aktuelle Serienformate (als Beispiel sei hier die Serie „Once upon a time“ genannt). Doch Geschichten können mehr. Sie können helfen. Sie können Erinnerungen zurückbringen, können Rückblicke in frühere Zeiten sein, können in der therapeutischen ebenso wie in der Demenzarbeit eingesetzt werden.

„Es war einmal…“

Dass das nicht nur graue Theorie ist, sondern praktisch angewandt wird, kann zum Beispiel im Abschlussbericht der Studie* zum Projekt „Es war einmal … MÄRCHEN UND DEMENZ“ vom „Märchenland – Deutsches Zentrum für Märchenkultur gGmbH“ nachgelesen werden. Darin wurden Fragestellungen untersucht, die z.B. den Einfluss von Märchenerzählungen auf Demenzpatient*innen, ihre Reaktions- und Interaktionsarten und sogar eine mögliche Erhöhung der Lebensqualität genauer betrachteten. Die Ergebnisse sind eindeutig, konnte die Studie doch deutliche Hinweise dafür finden, dass Märchenerzählungen bei mehr als zwei Dritteln der untersuchten Patient*innen positive Auswirkungen auf Interaktion und allgemeines Verhalten auslösten. Im Fazit der Studie findet sich zusammenfassend die Feststellung, dass „regelmäßiges und strukturiertes Märchenerzählen“ das Wohlbefinden von Demenzpatient*innen steigern und Verhaltenskompetenzen aktivieren kann. Die Wissenschaftlerinnen kommen zu dem Schluss, dass das Märchenerzählen in Pflegeeinrichtungen angeboten werden sollte.

Märchenbuch

Mit Märchen positive Erinnerungen wecken

Doch warum haben Märchen auf Demenzpatient*innen diese positiven Wirkungen? Hierbei liegen, wie der Artikel „Ach, wie gut“ (veröffentlicht in Ausgabe 12/2013 der Pharmazeutischen Zeitung) die Ursachen in der Krankheit selbst. Demenzpatient*innen leiden unter dem Schwund von Erinnerungen, da das Kurzzeitgedächtnis in Mitleidenschaft gezogen wird. Demenzerkrankte erinnerten sich daher sehr viel besser an Ereignisse, die lange zurückliegen als an aktuelle Geschehnisse. Diesen Umstand macht sich das Märchenerzählen zunutze: Dadurch, dass Märchen oft in der Kindheit erzählt wurden, kann ein Bezug auf diese Erinnerungen damit verbundene Emotionen zurückbringen, die ansonsten nicht erreichbar wären, schildert Diane Dierking die Auswirkungen dieser Methode, die in einem Projekt untersucht wurden, welches wissenschaftlich von der Alice Salomon Hochschule (ASH) begleitet wurde. Vom Erfolg des Märchenerzählens seien sie und ihre Kolleginnen sehr positiv überrascht worden. Auch hier sei man einhellig der Meinung, dass das Erzählen von Märchen in Pflegeeinrichtungen regelmäßig stattfinden sollte.

Profitieren auch Sie als Teilnehmer*innen bei indisoft

Darüber möchten Sie mehr wissen? Unsere Dozentin Diane Dierking, Projektleiterin des bundesweiten Modellprojektes „Es war einmal… MÄRCHEN UND DEMENZ“, hält dazu für alle Interessierten aus unseren Kursen im Pflege- und Betreuungsbereich Fachvorträge bei indisoft. Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen und danken Frau Dierking für diese tolle Möglichkeit.


* durchgeführt von Prof. Dr. phil. Ingrid Kollak (Studienleitung), Anna Herzig, M.A. und Marie Wöpking, M.A. (wiss. Mitarbeiterinnen) unter Mitarbeit von Gisela Fahlbusch, M.A., Janet Jordan, M.Sc. und Aylin Quack

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